„Als DJ spiele ich eher das Abseitigere, egal was ich auflege. Ich mache viele verschiedene Sachen, dafür aber vielleicht nix richtig“, sagt Daniel Meteo (Foto). Als leidenschaftlicher Plattensammler war es für ihn nur ein logischer Schritt zum DJ und Plattenlabel-Betreiber. 1973 in Marburg geboren und aufgewachsen in Essen, ist Daniel nach dem Zivildienst erstmal nach Köln abgehauen, um Musikwissenschaft am Forschungsinstitut für Popmusik zu studieren. Nach dem Grundstudium „nahm ich meinen Hut und es ging ab nach Berlin.“ Hier hatte er den ersten bezahlten DJ-Gig. Das war 1997. Anschließend spielte Daniel Gitarre bei der Submission Dub Liveband und war als DJ und Musiker mit Leuten wie The Rootsman, Vienna Dub Club, Zion Train oder Paul St. Hilaire alias Tikiman, der markanten Stimme des kongenialen Dub-Techno-Duos Rhythm & Sound, auf Tour. Anfang der Nuller Jahre wurde er Teil des Musiker-, Produzenten und DJ-Kollektivs Ocean Club um Gudrun Gut und Thomas Fehlmann. Bei deren Partys im WMF legte Daniel regelmäßig auf dem experimentellen Lab-Floor einen Mix aus Reggae, HipHop, Dub und Electronica auf. 2003 und 2005 produzierte er mit Tom Thiel die beiden Bus-LPs. Gemeinsam mit Florian Schmieg und Marco Haas alias T.Raumschmiere betreibt Daniel Meteo die Labelfamilie Shitkatapult, Random Noize Musick und Meteosound. Marco, ein Bühnen-Frontschwein und Technokrawallbruder, und Daniel, der introvertierte Musiker, passen perfekt zueinander: „Wir lieben beide Kompromisslosigkeit und verstehen uns blendend bei der Arbeit, haben grenzenloses Vertrauen und denselben Humor.“ Der Sound seines zweiten Soloalbums „Working Class“ bewegt sich zwischen House und Electronica und hat etwas Kauziges und Altmodisches: „Ich ziehe zum ersten Mal mit einem ganz klaren House-Liveset um die Häuser.“ Auf dem Artwork der Platte ist die Gartenseite eines alten Bürgerhauses zu sehen. „Es ist ein Foto, das meine Schwester gemacht hat. Ich mag es sehr und es gibt dem auffälligen Titel genau die Tiefe, die er braucht.“ (sg)
Warum Berlin? Ich musste einfach noch weiter weg von zuhause.
Warum DJ? Ich verstehe mich weniger als klassischer DJ und mehr als Selektor. Angefangen habe ich im Jugendheim Anti-Disco aufzulegen. Jetzt mache ich alles was mit der Musik zu tun hat: auflegen, produzieren, beraten, buchen, verlegen.“
Was ist an einem DJ-Set wichtig? Es gibt verschiedene Arten eines gelungenen DJ-Sets. Leute, die technisch wirklich etwas drauf haben. Leute, die House und Techno richtig verstehen und das an den Plattenspielern umsetzen oder Leute, die überraschen, Vergangenheit und Zukunft verbinden und andere Links zwischen der Musik finden. So wie Theo Parrish: Der spielt mit Liebe und Leidenschaft alles was Mut macht.
Welche Arbeiterklasse ist mit dem Titel deiner neuen LP gemeint, etwa die des DJs? Es ist nur ein Wortspiel und bezieht sich auf meine Herkunft aus dem Ruhrgebiet und gleichzeitig auf die prägenden Städte der elektronischen Musik: Detroit und Chicago. Working ist ein typisches Jazz-Wort und Class taucht immer wieder im House auf. Vielleicht hat es mich auch etwas gereizt, dem unpassenden Wort der digitalen Boheme etwas entgegenzusetzen. An sich ist die Arbeit des DJs äußerst elitär: Mit arbeitenden Massen ohne individuelle Identität hat das DJ-Tum eigentlich nix am Hut.
Lohnt es sich für ein Label in diesen digitalen Zeiten überhaupt noch physische Alben oder Maxis zu veröffentlichen? Finanziell null, aber dafür ideell sehr. Dem Vinyl gebe ich auf jeden Fall noch Zeit.
Was ist das gewisse Etwas eines Tracks? Das kann man nicht definieren. Es ist da oder nicht – ein Zauber. Um mein Interesse zu wecken, sollte Musik an der Oberfläche etwas rau und im inneren warm sein.“
Das Berliner Nachtleben: ist ungestüm, laut, nie zu Ende und bietet für mich im Moment eine etwas zu einseitige Musik.
Der beste Berliner Club? Die Maria am Ostbahnhof. Als Musiker werde ich regelmäßig seit Jahren eingeladen und fair bezahlt – der Betreiber Ben ist ein goldiger Gastgeber.
